Born. Stop. Just born (not to run, not in the USA, not this way)

Mittwoch, 08 Juni 2011 | gefunkt von Mario Alexander Weber

Rockmusiker mit ca. 1284 Gewerkschaftsehrenanstecknadeln

Lady Gaga war nur ein Name für mich, Entertainment im digitalen Wind, doch im Zuge ihrer Veröffentlichung von „Born this way“ stieß ich auf ein Detail, das mich interessierte (keine Sorge, FADC zeigt hier nicht das absolut grottige, durch nichts zu rechtfertigende Cover ihrer neuen CD): Clarence Clemons*, der Saxophonist der E Street Band, bläst auf zwei neuen Gaga-Tracks. Bruce Springsteen, Jahrgang 1949, Rockmusiker mit ca. 1284 Gewerkschaftsehrenanstecknadeln, und Lady Gaga, Jahrgang 1986, Verkleidungskünstlerin und so hypermodern, dass selbst Twitter nicht hinterherkommt – wie das?

Tobias Rapp, der SPIEGEL-Beauftragte für Stefani Germanotta (so Lady Gagas bürgerlicher Name) erklärt in den letzten Tagen nicht nur das. Im Print-Flaggschiff Ausgabe 20/2011 erschien ein schönes, ausführliches Gaga-Porträt, online kämpft Tobias Rapp in gefühlt 8787 weiteren Beiträgen wie ein Löwe um die richtige Einordung des neuen Werks Lady Gagas: „Es ist nicht im strudel kleineinfach ein großes Pop-Album. Es ist ein phantastisches Pop-Album.“ An anderer Stelle meint er, dass „Born this way“ die „Menschheit wohl nie wieder verlassen“ wird und der „große popkulturelle Moment des Jahres“ sei. Tobias Rapp, der Lady Gaga in den USA traf und sich dabei von einem ihrer Bodyguards photographieren ließ, destillierte seine Eindrücke auch gleich kidsgerecht für „Dein SPIEGEL“, dem monatlich am Kiosk erscheinenden Ableger (Slogan: Einfach mehr wissen) für die Zielgruppe 10 bis 14.

(Photo oben - Schnappschuss einer unbekannten Stewardess: Lady Gaga wird es auf einem Flug von Ottawa nach Montreal blümerant; wenig später landet die Maschine wohlbehalten auf dem Aéroport international Pierre-Elliott-Trudeau de Montréal; Lady Gaga hat wieder Farbe im Gesicht)

In seinem Beitrag „Beim Superstar auf dem Sofa“ resümiert Rapp (übrigens besser als in dem Porträt für die Zielgruppe 14+): „Vielleicht ist ihr Geheimnis ja, dass es gar kein Geheimnis gibt. Sie verkleidet sich einfach gern, singt gern und steht gern im Rampenlicht.“   

Seit November 2010 liegt „Dein SPIEGEL“ neben der Sport-Bravo, der Stafette, AniMania, Geolino, dem Fluter (gibt’s umsonst) in der Schulbibliothek aus, die ich regele. Hauptschule. Südstadt. Bis heute hat niemand je eine Ausgabe von „Dein SPIEGEL“ ausgeliehen. Blitzumfrage unter den Siebt- und Achtklässlerinnen. Mögt ihr Lady Gaga? Nicken, heftig, funkelnde Augen. 100 % Zustimmung. Hey, im aktuellen „Dein SPIEGEL“ ist auch ein Lady-Gaga-Bericht drin … Willst du nicht ausleihen? Kopfschütteln.

* Auch in der brandaktuellen „spex“ ist Lady Gaga Thema, „GAGA natürlich!“ ist sogar der Titel. Neben allerhand Geschwurbel finden sich dort sehr gute, überraschende Gaga-Photos vom Starphotographen Wolfgang Tillmans und eine ausführliche, die Nachtigall trapsen hörende Albumbesprechung von Jan Kedves. In dieser zieht Kedves einen Link zu einem Blog-Beitrag des US-Autors Bret Easton Ellis, in dem es um das Empire und das Post-Empire geht. Klar, dass Lady Gaga Post-Empire und Clarence Clemons zum alten Empire gehört. Putzig allerdings, dass sich der Autor bemüßigt fühlt, in einer Klammer zu erklären, wer Clarence Clemons ist: (Saxofonist von Bruce Springsteen). Kedves, der den Saxophonisten mit der von der DUDEN-Fraktion empfohlenen Variante gänzlich unromantisch, also mit „f“ schreibt, attestiert dem „Projekt Born this way“ mit dem Einbezug von „Altgöttern“ wie Clarence Clemons sogar einen barmherzigen Zug. Jesus! Lustig.
Mario

Mario Alexander Weber

Pilot & Listenbeauftragter
 
 
Artikel  |  Website  |  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!