Fliegende und nicht-fliegende Fußballer

Samstag, 06 August 2011 | gefunkt von Mario Alexander Weber

oder als Udo „Das Pferd“ Hofleder den Flugschein machte

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Beinahe rechtzeitig zum Start der 49. Fußballbundesliga-Saison 2011/2012 ein kleines Special zum Thema Fußballer unterwegs. Nicht im Bus oder im Ferrari oder auf dem Platz, sondern mit dem Flieger:  

  • Ein Klassiker, der zwar nicht in einem Flugzeug, aber wenigstens im MünchnerFlughafen passierte, war der Zusammenstoß zwischen der Damen-Basketballnationalmannschaft und Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler ließ es sich nicht nehmen, ungefragt, aber vermutlich freudig erregt auf die Schwanzlänge („Er hat den längsten“) seines Mitspielers Adolfo „El tren“ Valencia hinzuweisen. Die Reaktionen der Damen-Basketballnationalmannschaft sind nicht überliefert.
  • Ausgerechnet Lothars Intimfeind aus dem Schwabenländle, Jürgen Klinsmann, wurde 2004 überraschend Teamchef der Nationalmannschaft. Da Klinsmann seinen Wohnsitz in Kalifornien beibehielt, musste er mit dem Flieger „pendeln“ und ungefähr 80.000.000 Meilen in der Luft zurücklegen. Eine endlose, zähe Debatte, ob Klinsmann als Teamchef nicht hier zu wohne hätte, folgte. Als Klinsmann dann 2008 überraschend neuer Coach von Bayern München wurde, wechselte er seinen Wohnsitz notgedrungen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt.
  • Zum Thema Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort kann auch Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann etwas beitragen. Als er beim VfB Stuttgart spielte, ließ er sich ab und an von seinem Wohnsitz am Ostufer des Starnberger Sees mit einem Helikopter nach Stuttgart fliegen. Hin und zurück für 2000 €. Lehmann zahlte die Kosten angeblich selbst.
  • Ein großer Fußballer und ein leider noch größerer Alkoholiker war (ist?) Paul Gascoigne, der Gegenspieler von Klinsmann und Matthäus im WM-Halbfinale 1990 in Italien. Am Ende seiner Fußballerkarriere, bereits sichtlich gezeichnet, heuerte er noch einmal beim chinesischen Club Gansu Tianma an. Doch anstatt nach China flog Gazza erst einmal nach Phoenix, Arizona in das Meadows Rehabilitation Centre zum Entzug. „I'm a disgrace, I'm so sorry", stellte er sich dort an der Empfangstheke vor, nachdem er bereits in Heathrow betrunken in den Flieger gestiegen war.
  • Der vermutliche bekannteste (und auch beste) Fußballer, der unter Flugangst leidet (litt?), ist der Niederländer Dennis Bergkamp. Gerade für Spieler, die mit ihrer Mannschaft in internationalen Wettbewerben spielen, ist das natürlich ein Riesenproblem. Bergkamp selbst: „Wie und wann die Flugangst entstanden ist, weiß ich nicht […] Ich glaube schon, dass es sehr tief sitzt. Das letzte Mal bin ich Anfang 1995 geflogen. Mit Inter. In dieser Periode wurde es immer schlimmer. Flüge, bei der man die Panik im Körper spüre. Ein Gefühl von: ich will raus hier. Als ich dann einmal gesagt habe, dass ich das nicht mehr mitmachen wollte, fühlte ich mich enorm befreit.“
  • Als bedeutendster Fußballer Luxemburgs des letzten Jahrhunderts gilt der 1940 in Esch-sur-Alzette geborene Louis Pilot. Als Aktiver feierte er mehrere Meisterschaften und Pokalsiege mit Standard Lüttich.
  • Am letzten Spieltag der Bundesligasaison 1999/2000 ließen die Toten Hosen in einer ironisch gemeinten Aktion ein Flugzeug mit Banner über München kreisen. Drauf stand: Wir gratulieren dem FC Bayern München zur Deutschen Meisterschaft. Da Leverkusen in Unterhaching jedoch völlig überraschend 0:2 (Eigentor Ballack) verlor, traf die Gratulation dann doch wahrhaftig zu. (Trivia: Die beiden Großsympathen Campino und Uli Hoeneß wollten sich unlängst auf einem Friedensgipfel aussprechen – ob was draus geworden ist?)
  • Ein weiterer Bannerschlepp findet sich über dem Himmel Leverkusens: Ein klassisch-verwackeltes Youtube-Handy-Filmchen mit Klickzahlen über einer halben Millionen trägt den schönen Titel: EIN LEBEN LANG KEINE SCHALE IN DER HAND + FLUGZEUG und tatsächlich fliegt da ganz oben was vorbei.
  • Flughafen und Zoll: Es scheint in München Tradition zu werden, Ware aus Dubai nicht verzollen zu wollen. Nach Michael Ballack hatte es im April dieses Jahres auch Oliver Kahn erwischt, der sieben Poloshirts, acht Pullover, neun Hemden, fünf Hosen und zwei Sakkos, eine Lederjacke und zwei Paar Manschettenknöpfe für gut 6.500 € in den klimatisierten Shopping-Oasen des sympathischen Emirats eingekauft hatte, aber vergaß, die Ware wieder zurück in Deutschland durch das richtige Tor zu tragen.
  • Und zum Abschluss noch ein Höhen- und Kunstflug, den man Fußballern so gar nicht zutrauen würde: Linksaußen Udo „Das Pferd“ Hofleder wurde nach einer eher mittelprächtigen Laufbahn bei Darmstadt 98, den Kickers aus Offenbach und Eintracht Frankfurt sieben Jahre nach seinem letzten Spiel in der Oberklasse Weltmeister im Segelflug.

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Mario

Mario Alexander Weber

Pilot & Listenbeauftragter
 
 
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