Stop the föhn

Montag, 07 November 2011 | gefunkt von Mario Alexander Weber

Sie tat, als wäre nichts passiert, und föhnte einfach weiter

Früher war das Kapital ein scheues Reh. Heute ist es ein störrischer Ziegenbock mit Verdauungsproblemen. Das sagt so nur keiner, denn alle haben mindestens ihren kleinen Finger im Popo des Ziegenbocks stecken, während sie mit feuchten Augen Richtung Lichtung blicken, in der Hoffnung, dort hüpfte ein junges Reh .... Kurcapitaoazazum: Es ist eklig. Weil es furchtbar verlogen ist. Denn niemand, wirklich niemand, zwingt all die Menschen, ihren kleinen Finger in den Popo des Ziegenbocks zu stecken. Was tun?, sprach der Zoowärter.

Ein Zitat aus einem aktuellen Interview mit Bono, der gerne die Welt rettet, ohne zuviel Steuern zu zahlen, hilft weiter. Im Wortlaut: "Der Erfolg stieg mir zu Kopf. Es ging so weit, dass man für mich hinter der Bühne einen Sandsack aufhängte, den ich nach Konzerten verprügelte; Energie schoss durch meinen Körper, als würde ich mit den Händen in einer Steckdose stecken." Das ist der junge Unternehmer, der vor lauter Kapital gar nicht weiß, wohin er es stecken soll. So geht es weiter: "Ein Mädchen arbeitete in unserer Garderobe, sie hat versucht, meine verschwitzten Haare zu trocknen, während ich auf dem Stuhl zappelte wie ein Idiot. Da nahm sie den Föhn und schlug ihn mir über den Hinterkopf." Ob das zum Mindestlohn führt, weiß man nicht, aber hier steht es sinnbildlich für viel mehr: den Aufstand, die Revolte, den Umsturz. Doch die Pointe der Geschichte erspart uns der dialektisch geschulte Bono natürlich nicht. Auf die Frage von The Edge, ob das geholfen hätte, antwortet der U2-Sänger: "Sie tat, als wäre nichts passiert, und föhnte einfach weiter." Genau das ist das Problem.

Mario

Mario Alexander Weber

Pilot & Listenbeauftragter
 
 
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